Samstag, Dezember 31, 2005

Ein gutes neues Jahr...

Gleich zweimal konnten wir den Jahreswechsel feiern, vor ein paar Stunden den ins 2006 und gestern sind wir in die Zukunft gerutscht...

Hallo Claudia und Andre... kein Sience Fiction der euch bevorsteht...
tatsächlich haben Alex und ich mit unseren Freunden in Mae Sot bereits gestern das Karen New Year, nämlich das Jahr 2745 gefeiert.
Die Karen werden in Burma als Volksstamm schon seit Jahrzehnten vertrieben und viele von Ihnen finden in den thailändischen Grenzorten Zuflucht, weswegen wir bei unserer Arbeit in den Migrantenschulen viele neue Bekannte und Freunde aus dem Volk der Karen gefunden haben.
So wurde uns denn die Ehre teil, auch an Ihrem Jahreswechsel-Fest (einen Tag vor dem Unsrigen) teilzunehmen.

In einem Kloster unweit von Mae Sot durften wir denn den Festivitäten beiwohnen und dazu gibt’s doch einiges zu erzählen...

Tanzen ist Männersache:
Die Trommeln beherrschen die Musik und die Rhythmik der Volkstänze mit denen der Jahreswechsel begleitet wird. Die Frauen in Ihren schönsten Kleidern wiegen mit weichen Armbewegungen und könnten wohl den stetig wehenden südostasiatischen Wind symbolisieren während die Männer der Tanzgruppe hier ganz deutlich mit fröhlichen Sprüngen und wildem Winken die Lebensfreude dieses Volkes darstellen.



Die Männer springen gerade so hoch, dass sie ausserhalb des Fotoausschnittes sind...



Rot blau weiss...
Das sind die Farben der Karen-Flagge.
Rot steht für den Mut der Karen, blau für die Treue und Loyalität, weiss für die Reinheit. Die Sonne steht für den Weg, den es zu beschreiten gilt und oft findet man auf der Flagge ebenfalls die Trommel der Karen.


Das uns die Karen einige Jahrhunderte voraus sind ist hiermit auch bewiesen

Der heiratsfähige Karen mit dem wallenden dunkelblonden Haar...
Paw Ray, die Leiterin der grössten Migrantenschule in Mae Sot und gleichzeitig auch Chefin von Alex hat uns zu diesem imposanten Volksfest als Gäste eingeladen und da sie nicht nur in Karenkreisen eine Bekanntheit Ihrer ausserordentlichen Dienste wegen ist, wurden uns sehr viele neue Menschen vorgestellt. Unter anderem war dies ein Vater einer Schülerin von Alex der mir spontan seinen wunderschönen Umhang schenkte und auf einmal blass in seinem weissen Unterhemd dastand. Ich konnte diese Geste kaum für wahr halten und wollte nach einem kleinen Erinnerungsfoto mit Paw Ray den Umhang zurückgeben, doch dies wurde dann deutlich verneint...
Voller Stolz machte ich mich mit meinem neuen Umhang mit Alex an einen Rundgang im riesigen Klosterpark. Die Reaktionen der wunderschön hergerichteten Karen Frauen auf mein neues Outfit war denn sehr schön. Ansonsten gegenüber den fremden Westlern eher zurückhaltend wurden mir die freundlichsten Lächeln geschenkt (ich will gar nichts von Auslachen hören an dieser Stelle...) und nachdem ich die Situation in gewohnter Weise analysiert hatte war mir klar, dass der Grund der folgende sein musste: Mein wunderschöner Umhang musste wohl angezeigt haben, dass es sich hier um einen heiratsfähigen jungen Mann halten muss und darum die deutlichen Reaktionen. (Alex’Kommentar dazu war nur „hättest du wohl gerne...)



Auf jeden Fall bin ich nun STOLZER Besitzer eines Karen-Umhanges.







Das Eis war gebrochen… Mit einem solchen Halb-Karen an der Hand war somit auch das Eis zwischen Alex und den restlichen Karen gebrochen und eine Reihe von Foto-Wünschen wurde erfüllt. Wahrscheinlich zieren wir Aliens nun etliche Familienalben.




Alles in allem ein wunderschönes Erlebnis und heute galt es nun "unser" Neujahr zu feiern.
Dies genossen wir zusammen mit Christine bei Minh im Crocodile Tears bei einem feinen Essen und einigen wohltuenden Getränken und in Khungs Bar beim Anstossen auf das 2006.:


Ehrlich, kann bei so tollen Glücksfehen mit Neujahrsglückwünschen noch irgendetwas schief gehen??
Auf diesem Weg wünschen wir euch ein wunderschönes neues Jahr, unzählige immerwährende Erinnerungen und ganz viel Glück bei eurer weiteren Reise. Hebed sorg…
Alex und Rolf

Sonntag, Dezember 25, 2005

Home, sweet home

Hallo ihr Afrikareisenden...
Es wird Zeit euch mit unserem neuen zuhause bekannt zu machen…

Während unserer Zeit als Lehrer wohnen wir in diesem hübschen Guesthouse in Mae Sot mit dem Namen „Homestay“.
Im Gegensatz zu anderen Guesthouses in Mae Sot liegt unseres mitten in einer Häuseransammlung von thailändischen Nachbarn und so geniessen wir hier alles, was eine asiatische Nachbarschaft so mit sich bringt.
Wären da zum Beispiel die beispiellose Geräuschkulisse der verwirrten Hähne (wir lieben sie wirklich am ehesten im grünen Curry…), die herzzerreissenden Schreie der mondsüchtigen Hunde, der angenehme Tonfall unserer mitteilungsbedürftigen Jüngst-Nachbarn bis zu den geisterhaften nächtlichen Wanderungen von irgendwelchen Lebewesen in und um unser Haus herum…

Aber wir lieben unser zuhause und unser einzigster Mitbewohner menschlicher Herkunft macht uns den grosszügigen Platz im Guesthouse nur noch ein paar Tage strittig, bevor er sich der Heimreise annimmt und wir uns gespannt auf kommende Mitbewohner freuen.
In unserem Garten wachsen Bananen und wenn wir schneller sind als unsere freundlichen Nachbarn, werden wir auch die Früchte der Bäume ernten und uns dann sozusagen von unserem Heim ernähren.. (an dieser Stelle sei gesagt, dass wir doch schon einige Stunden ohne allerfeinste Thai-Köstlichkeiten ausgekommen sind und der Hunger sich meldet…)

Man kann sich übrigens aus unserem Haus auch wunderbar ausschliessen und muss dann in einer billigen Absteige in der Stadt vorlieb nehmen (es soll ungeschickte Bewohner des Guesthouse gegeben haben, denen so was passiert sein soll…).
Wenn man aber Herr / Frau der Wohnlage bleibt, kann man sich wohlig unter das tolle Moskitonetz legen und den Angriffen der blutsaugenden Mitbewohner trotzen… (Alex durfte sich auf das von mir fachmännisch => darum heisst es ja auch fach-Männisch… hergerichtete Bett mit Vampirschutz stellen und posieren…)


... rechts schlafe ich... man kann dies auch an der dort herrschenden Bettordnung erkennen...







Wir führen übrigens in unserem Heim auch fleissige Hausangestellte die uns die Klamotten waschen während wir uns gemütlich den schönen Dingen widmen. Auf dem nächsten Bild ist ein billiger Putzer zu sehen, der quasi im Akkord unsere Kleider in Höchstform bringen kann und dabei sogar noch ein freundliches lächeln bereitstellen kann. Es ist wirklich unsere Perle der Hausarbeit… (und ich bin dir soooo dankbar Alex, dass Kommentare von Lesern dieses Internetauftrittes nicht möglich sind…)

Nebenbei: Schaut euch mal die elegante Technik der Handwäsche an: kräftiges liebevolles Textil-Schruppen unter Einbezug verschiedenfarbigster Eimer ohne auch nur einen Tropfen des wertvollen Nass zu vergeuden… einfach bezaubernd, nicht?


Da wir dann und wann auch mal einen Ausflug, einen Einkauf oder einen Besuch in der Stadt vornehmen müssen sind wir natürlich auch mobil.


... mobil ist eigentlich nicht angebracht genug... nennen wir es doch eher "galaktisch elegant über die Beläge des Erdbodens gleitend..."







Die Thailänder haben übrigens ausserordentlich unpraktische Kopfformen und so kann es denn nicht verwundern, dass meine Standard-Kopfgrösse nur ohne Helmpolster im hübschen Helmchen Platz findet oder aber mit Helmpolster das Outfit eher an einen englischen Bobby erinnert… Im Einkaufskörbchen an unserem extrem rassigen Reisemobil findet ihr aber den absoluten Passform-Helm, den ich über alles liebe…

Alles in allem haben wir mit unserem zuhause sehr viel Glück gehabt und fühlen uns hier richtig wohl. Home sweet home…

Merry Christmas oder Santa auf der Flucht

Ja, auch wir haben Weihnachten gefeiert und wie…
Die Schule, an der ich unterrichte, veranstaltete eine Weihnachtsfeier an der auch alle Kinder aus den anderen Migrantenschulen eingeladen waren. Ehrensache, dass die fremden Teachers dabei waren.
Natürlich durfte auch der Christbaum nicht fehlen…







An der Hsa Thoo Lei Schule wurde kurzerhand ein Schulzimmer in eine Bühne umgebaut. Schon die ganze letzte Woche wurde dekoriert und jede Schulklasse studierte Theaterstücke, Lieder und Tänze ein. Natürlich kam da mein Unterricht etwas zu kurz aber Weihnachten ist nun mal wichtiger. Unabhängig der verschiedenen Religionen, ist das Weihnachtsfest für die Kinder schlicht und einfach „der Event des Jahres“.









Und schliesslich kam der Weihnachtsmann… Paw Ray, die Leiterin von Hsa Thoo Lei, wünschte sich einen tanzenden Santa Claus… na ja, Paw Ray kann man eigentlich nichts abschlagen und was tut man nicht alles um die kleinen und gossen Kinder zum Lachen zu bringen. Unvorsichtiger Weise begab sich der Weihnachtsmann, nach der Show in die Menge, um den Kindern Guezli und Früchte zu verteilen. Nach ungefähr 20 Sekunden, fingen die Kids an sich selbst aus Nikolausens Sack zu bedienen… kurz darauf verschwand Santa im Gemenge zwischen Kinder-Händen, Kinder-Füssen und überhaupt waren überall nur noch Kinder, Kinder, Kinder… zu diesem Zeitpunkt hatte der Weihnachtsmann längst die Kontrolle über alles verloren und beschloss, es sei wohl sicherer den Sack aufzugeben und die Flucht zu ergreifen.









Danach benötige Santa dringend einen Gin Tonic in Kungs Bar…

Merry Christmas!

Freitag, Dezember 23, 2005

Weihnachten unter der Sonne...

Chère Alex

ça va? ça va bien? Et la famille? Et le travaille? Et le jour est bien passé?

An diese Begruessungen haben wir uns laengst gewoehnt. Auch wir fragen zuerst nach dem Wohlbefinden bevor wir uns getrauen unser Anliegen vorzubringen.

In Bamako, der Hauptstadt von Mali, haben wir uns in einer Auberge eingemietet, die zu einem UNICEF Programm mit Strassenkindern gehoert. Schon am ersten Abend haben die Kindern uns "genoetigt", ihnen Rechenaufgaben zu stellen. Jeden Abend wurden uns neue Aufgaben gestellt. Es war herrlich zu sehen, wie wiss- und lernbegierig die Kinder sind. Auch wir haben einiges von den Kindern gelernt. Zum Beispiel unsere ersten Worte in Bambara, die meistgesprochenste Sprache in Mali. Dazu gehoeren auch unsere neuen Namen. André heisst fortan Burama Coulibali und ich Caliatou Traoele. Wir koennen euch nachempfinden, wie befriedigend es sein muss mit Kindern zu arbeiten.


Zum neuen Namen gehoert natuerlich auch ein neuer Look. So habe ich mir ein afrikanisches Kleid nach Mass fertigen lassen. Dies ist jedoch noch nicht alles, eine neue Frisur musste auch her... Wenn ich in meiner neuen Erscheinung durch die Strassen gehe, erhalte ich von wildfremden Afikanerinnen Komplimente. Ein schoenes Gefuehl.



Im Nordosten des Landes wanderten wir auf den Spuren von Erich von Daeniken. Wir besuchten das Dogonland. Die landschaftlich reizvolle Gegend hat uns in ihren Bann gezogen. Unglaublich wie die Pygmaen und die Dogon in den steilen Felsen gewohnt oder besser gesagt gehaust haben. Unser Aufenthalt wurde lediglich durch die aufdringlichen Souvenirverkaufer getruebt. Da die Region "sehr touristisch" ist, wunderte uns dies nicht allzusehr.

Eine kleine Anmerkung am Rande. Afrika ist das reinste Raucherparadies. Ein Paeckchen gute Zigaretten kosten je nach Land zwischen Fr. 0.30 und Fr. 1.00. Waere etwas fuer dich, Alex!

Wie sieht es bei euch mit Weihnachtsstimmung aus? Hier in Mali bei heissen Temperaturen und Sonnenschein kommt bei uns das Weihnachtsfeeling definitiv zu kurz. Unsere persoenlichen Weihnachtsbaeume haben wir hier trotzdem gefunden. Die Baobabbaeume! Die Blaetter sind geerntet und die Baueme tragen Fruechte, die sie wie geschmueckte Christbaeume aussehen lassen.

Wir wuenschen euch von Herzen frohe Festtage in thailaendischem und burmesischen Kreis. Geniesst euren Aufenthalt und rutscht gut ins neue Jahr!


Claudia und André

Donnerstag, Dezember 15, 2005

Good morning, teacher

Wenn einem eine Tätigkeit nicht nur beschäftigt sondern auch beglückt, ist dies wohl vielmehr Berufung als Beruf…
soviel zum poetischen Teil dieses Eintrages… Hallo Claudia und Andre

Es war einmal vor einiger Zeit (keine Angst, es folgt kein Märchen…), mitten in unserer Reiseplanung, als die Idee für eine Beschäftigung als „Lehrer“ in Mae Sot ein wenig klarer wurde. Wir stellten uns der Organisation Childsdream zur Verfügung und machten uns die wildesten Vorstellungen, wie so ein Freiwilligeneinsatz für uns aussehen könnte.
Lange haben wir versucht etwas für die ersten Schulstunden in einem fremden Land vorzubereiten und immer wieder fehlten uns die Kenntnisse des Levels unserer zukünftigen Schüler um etwas sinnvolles zu Stande zu bringen. Irgendwann haben wir dann resigniert und stellten uns auf eine überraschende Zeit ohne Vorbereitung ein…
soviel zur Vorgeschichte…

Nun liegen bereits einige Tage Lehrertätigkeit als Grundlagen-Englisch-Lehrer in einer Migranten-Schule in Mae Sot hinter mir. Die Kinder sind mit Ihren Familien aus Burma über die Grenze geflohen und leben nun „halb illegal“ in Mae Sot / Thailand. Die meisten Kinder an dieser Schule sind muslimischen Glaubens, doch die Glaubensfrage ist hier tatsächlich keine Frage sondern eine Tatsache, der Respekt gezollt wird.

Was macht denn nun ein Rolf als Lehrer:
Dienstags stellt er sich in ein bescheidenes Klassenzimmer vor eine Schülerschaft von ca. 40 Kindern, die zwischen 5 und 12 Jahre alt sind. Es ist ein besonderes Gefühl von achtzig schwarzen und erwartungsvoll blitzenden Augen bestaunt zu werden. So ein Publikum will natürlich vor allem unterhalten werden (wenn ich zurück in der Schweiz bin, könnte ich aufgrund meiner neuen Erfahrungen den alternden Beni Turnheer ersetzen…).

Das „Klassenzimmer“ ist übrigens gleichzeitig Wohnraum, Schlafzimmer, Esszimmer und Materialkammer von Putschu und Nisha (die Leiter der Schule, Eltern dreier Kinder und überaus gastfreundlich sind). Jeder freie Platz an den Zimmerwänden ist mit Zeichnungen der Schüler behangen und der Raum sorgt auch an heissen Tagen für angenehme Temperaturen.

Die restlichen Wochentage darf sich der Rolf dann mit 10 Schülern eines Alters zwischen 9 und 12 Jahren (und ein paar zusätzlichen„gwundrigen“ Müttern, die sich einfach in den Schulstunden dazusetzen und fleissig mittun) sehr intensiv mit allerlei „Englischem“ auseinandersetzen. Die Kinder lernen sehr schnell und sind wissbegierig…

das ist sie nun "meine" Klasse,
tolle und aufgestellte Jungs und Mädels


Übrigens: Alex meint, diese oben erwähnten Mütter kämen zur Schule um den Lehrer aus dem Westen zu sehen… ich kann aufgrund meines „Berufsethos“ natürlich nicht zustimmen und weiss genau, sie kommen des Englisch-Lernens wegen… (mein Bruder, er ist auch Lehrer, wäre stolz auf mich…)

Die Schulstunden versuche ich abwechslungsreich zu gestalten und so verbringen wir täglich viele spannende Stunden mit Lesen, Schreiben, Spielen, Malen, Singen, Tanzen (fast alles bezogen auf die englische Sprache…).
Da ich in dieser Schule der erste „fremdländische“ Lehrer bin, erlaube ich mir meine besondere Note mit ins Spiel zu bringen…(die armen Kinder, ich weiss…).
Die Kinder scheinen den neuen „teacher“ zu mögen und die Reaktionen sind mehr als einfach schön… Ich werde morgens herzlichst mit einem „gud moning, tidscha“ (nein, nein das ist nicht die Art und Weise in der ich Englisch unterrichte, sondern eine phonetische Wiedergabe des täglich Gehörten…) oder aber auch mit „heloo, hau ajuu“ (auch diese Worte sind nicht für den neuen Langenscheidt Duden geeignet…) begrüsst. Die Kinder scheinen mich ebenso zu geniessen wie auch ich die Zeit mit Ihnen sehr geniesse und schenken mir viele freundliche Blicke…



und hier könnt ihr noch ein paar Kinder sehen, die mich jeweils am Dienstag geniessen können...






Während der Schulstunden passieren dann schon mal lustige Sachen, die für viel Gelächter sorgen und die trockene Materie „Englisch“ bleibt deswegen stets unterhaltend. Ein Lapsus meinerseits führt dann zu andauerndem Gelächter der Schüler und man lerne deshalb; „nicht nur die Thailänder sind sehr schadenfreudig, auch die Burmesen sind es…“

Wohl das Schönste eines jeden Tages ist das morgendliche gemeinsame Singen… Von so vielen strahlenden Kindern innigst besungen zu werden ist ein Erlebnis mit höchstem Glücklichkeits-Gefühls-Faktor (die Skala des Glücklichkeits-Gefühls-Faktors erscheint mir aufgrund des Erreichens der höchsten Stufe hier nicht erwähnenswert…). Die Lieder werden mit innbrünstig ausgeführten Gestiken in ihrer Wirkung verstärkt was dazu führt, dass die Energie der Lieder über Gehörsinn und Auge in einen eindringt und sich so ins „niemals zu vergessen“ -Gedächtnis einbrennt.

hier sind etwa 20 Schüler, Putschu und Nisha zu Besuch bei uns im Guesthouse. Alle Kinder haben sich für diesen Besuch rausgeputzt und sich sehr über die Besichtigung des Guesthouse gefreut.

Viel Zeit benötige ich an den Abenden in Gesprächen mit Alex und auch in eigene Gedanken versunken um das Erlebte zu verarbeiten (zugegeben; „noch einmal geniessen“ wäre passender als „verarbeiten“…).
Und zum Schluss werde ich doch noch einmal ein bisschen nachdenklich…
Ich glaube es würde den Kindern in der Schweiz mit „etwas Weniger“ sehr viel besser gehen… Ich sehe hier trotz der nicht perfekten Gegebenheiten soviel Glück in den strahlenden Gesichtern der Kinder… Ich geniesse es, Ihr „tidscha“ zu sein…
Rolf

Montag, Dezember 12, 2005

Wir verlassen Bangkok

Salut zaeme

na dann "Prost" und lasst uns darauf trinken, dass kuenftig euer Bus von schmorenden Kabeln verschont bleibe.

Bevor ich euch unser neues zuhause vorstelle, nochmals einen kurzen Rückblick…
Rolf und ich genossen Bangkok sehr, neben vielem Anderem, hat mich der Wat Phra Kaeo auch beim zweiten Besuch sehr beeindruckt.






















Viele Thais pilgern zum Wat Phra Kaeo um den Emerald Buddha (den smaragdenen Buddha) zu verehren. Überhaupt sind wohl zwei Figuren in Thailand allgegenwärtig:
Buddha und der König.
Es gibt fast kein Privathaus, kein Geschäft oder Restaurant, in dem nicht mindestens eine Buddha-Figur und ein Bild des Königs oder der Königsfamilie zu finden ist.

Zur Zeit läuft der König dem Buddha wohl den Rang ab… am 5. Dezember feierte nämlich König Bhumipol Adulyade seinen 78. Geburtstag. Während der Tage davor wurde die ganze Stadt in der Farbe des Königshauses (Gelb) geschmückt und noch mehr Bilder des Monarchen wurden aufgehängt. Ja, die Thais lieben und verehren ihren König sehr...










Für uns war nebst der Stadt, die sich auf ein grosses Fest vorbereitete, noch eines spürbar: da am 5. Dezember Feiertag war, strömten viele Thais nach Bangkok um den Festivitäten beizuwohnen. Offensichtlich hatten sich alle in unserem Hotel einquartiert. Am Frühstücksbuffet ging es zu und her wie Nachts in Bangkoks Vergnügungsviertel Patpong.

Ein Teil der Bevölkerung Bangkoks tat es uns gleich und fuhr in den kühleren Norden. So hatten wir Glück, dass wir noch eines der begehrten Bustickets ergattern konnten. Am Abend ging es dann zusammen mit einem Strom von anderen Fahrzeugen zum Bus-Terminal. Kurz vor unserem Ziel war Stillstand. Wir hatten zwar genügend Zeit eingeplant, doch unser Taxi-Fahrer war nicht gerade erpicht darauf , den halben Abend im Stau zu stehen und so setzte er uns samt Sack und Pack auf die Strasse. Seine Geste deutete uns die Richtung die wir einschlagen sollten… und tschüss. Da wir nebst unserem eigenen Reisegepäck noch Kleinigkeiten wie Schulbücher und Laptops bei uns hatten, war der gut bepackte Rolf wenig erfreut über den folgenden Fussmarsch durch Markt und Menschenmassen. Am Busbahnhof warteten wir zusammen mit hunderten Reisenden auf unseren Bus. Hier war wohl mit grösseren Verspätungen zu rechnen, doch weit gefehlt: in der typisch ruhigen Thaimanier, ging hier alles durch und durch organisiert von statten. Nach einer mehr oder weniger ruhigen Fahrt, kamen wir pünktlich, morgens um 5.30 Uhr in Mae Sot an.

Donnerstag, Dezember 08, 2005

Schutzengel gibt es auch in der Sahara

Salam Maleikoum


Mittlerweile haben wir zwar das arabisch sprechende Mauretanien bereits verlassen und sind in Mali eingereist. Die Landschaft hat sich aber nur unmerklich veraendert - die Menschen und die Doerfer jedoch sehr. Die Waren werden allesamt auf dem Kopf getragen und die Haeuser bestehen aus Lehmziegeln. André und ich sind uns einig: Wir sind in Schwarzafrika angekommen!

Nachdem wir Marokko Richtung Sueden verlassen haben, warteten auf uns unspektakulaere 1000 km durch die Westsahara.

Unser internationaler Tross, der spontan in der Westsahara entstanden ist, besteht aus zwei deutschen Motorradfahrer\innen einem hollaendischen Paar mit belgischem Kennzeichen und uns. Zwischenzeitlich haben sich auch noch zwei junge Thurgauer aus Weinfelden angeschlossen.

Die westsaharische Grenze verlassen wir mit den gutgemeinten Worten des marokkanischen Zoellners: Bonne chance! Die naechsten vier Kilometer fuehren durch Minengebiet. Immer den Spuren folgen und diese auf keinen Fall verlassen, heisst die Grundregel fuer diesen Streckenabschnitt. Als wir im tiefen Sand steckenbleiben bleibt uns keine andere Wahl als den 4x4 resp. die Freilaufnaben an den Vorderraedern mit einer Akrobatikuebung aus dem Fahrzeug einzuschalten - und siehe da wir fahren wieder. Die Grenz-formalitaeten erledigen wir entgegen aller Befuerchtungen in kuerzester Zeit, und die Grenzbeamten heissen uns in Mauretanien herzlich willkommen!



Unsere Fahrt durch den Parc National du Banc d'Arguin ist nicht nur wegen der wunderschoenen Sandlandschaft erwaehnenswert. Nein, unser Schutzengel hat uns auch in der Sahara nicht im Stich gelassen.

Nach unserer Bilderbuchfahrt durch den Park auf sandigen Pisten rasten wir abends am Fusse einer schoenen Duene. Rasch haben wir das Nachtlager errichtet und bereiten wie immer ein koestlich schmeckendes internationales Abendessen vor. Eine kleine schwarze Rauchwolke windet ueber Steffens Motorrad und André bemerkt diese. Schnell ist uns klar, dass der Rauch nicht vom Zweirad kommt, sondern aus unserem Buessli. Sofort kommt Hektik auf, und meine erste Handlung ist den Feuerloescher hervorzunehmen. André geht dem Uebel auf den Grund, und wir sehen in unserem Auto die Kabel gluehen. Uups, da schmort und raucht auch der Teppich. Dank der guten Reaktion von André ist der Brand schnell unter Kontrolle. Dies haette boese ins Auge gehen koennen, hatten wir doch noch 20 lt Benzin fuer Steffen und Lilly direkt daneben deponiert. - Mittlerweile ist der Schock verdaut und André hat die defekten Kabel ersetzt!

Die schoenste und eindrucksvollste Strecke in Mauretanien ist die Strandpiste. Wir fahren ungefaehr 180 km dem Strand entlang, welcher jedoch nur bei Ebbe befahrbar ist. Wunderbare Bilder eroeffnen sich uns waehrend der Fahrt. Hunderte von Moewen sitzen am Strand und sobald wir angefahren kommen, erheben sie sich in die Luefte. Krabben laufen ueber den Strand in Richtung Meer und wenn man genauer hinsieht, sieht man die Fische im Wasser springen. Bilder fuer Goetter!

Nach eineinhalb abstinenten Monaten gehen wir nun auf ein Bier und lassen euch herzlich aus Bamako gruessen.

Prost!"Haebets guet"!
Claudia, André und Amadou

Mittwoch, Dezember 07, 2005

Es dampft und brutzelt...

Hallo Claudia und Andre

Ich hoffe es geht euch gut. Seit dem letzten Samstag sind wir in Mae Sot. Da wir in unserem Guesthouse Zugriff aufs Internet haben, werden Rolf und ich während unseres Aufenthaltes hier, die Gelegenheit nutzen und uns öfters mal zu Wort melden. Bevor ihr mehr über unser neues zuhause und unsere Jobs erfahrt, muss ich noch einige Gedanken zu unserem Bangkokaufenthalt loswerden. Ich werde mich jedoch auf die wichtigsten Themen beschränken:

Dass ich den lukullischen Genüssen erlegen bin, dürfte euch und wahrscheinlich auch den meisten Mitlesern hinreichend bekannt sein. Wer die Thai-Küche kennt, der kann sich vorstellen, dass hier für mich das kulinarische Paradies auf Erden ist... An jeder Strassenecke dampft und brutzelt es aus den Töpfen und die köstlichsten Düfte steigen einem in die Nase… und dies 24 Stunden am Tag. Dazu gib es vielleicht noch zu sagen, dass die Thais als notorische Esser gelten. Man sagt, dass sie fast immer irgendetwas essen oder falls dies einmal nicht der Fall ist, dann denken sie sicherlich darüber nach, was sie als nächstes essen könnten.

Rolf und ich verköstigten uns in Bangkok zumeist in den kleinen Strassenküchen, von denen sich eine an die andere reiht. Die Küchen bestehen aus nicht viel mehr als einem grossen Wok, neben dem die Rohmaterialien ausgelegt sind und aus ein paar Tischen und Stühlen für die Gäste. Nebst dem, dass hier Köstlichkeiten für ein Taschengeld zu haben sind, gibt es auch immer jede Menge zu erleben und zu beobachten…

Ich genoss gerade Schälchen duftender Köstlichkeiten, als mir eine Plastiktüte vor die Nase gehalten wurde: „dwenty Baht“. Das war zwar nicht gerade viel aber wer, um Himmels Willen, konnte von mir erwarten, dass ich ihm ein Säckchen halb verfaulter Bambussprossen abkaufen würde, wo ich doch gerade… ich winkte dankend ab! Doch hinter mir tat sich was: „feed the elefant“ war die Aufforderung und bevor ich mich richtig umdrehen konnte, reckte sich mir ein kleiner Rüssel entgegen. Naja, der kleine war zwar super herzig, aber dass Baby-Elefanten als Touristenattraktion, nächtens durch Bangkoks Grossstadt-Dschungel gejagt werden, wollte ich dann doch nicht unterstützen.

Die Gäste in Garküchen sind vielfältig. Neben vielen Einheimischen auch einige unverfrorene Touristen wie wir… meine Tischnachbarin, eine Thai, der es offensichtlich nicht genug an Chili im Reis war. Ich staunte nicht schlecht, als sie sich einen dicken Klumpen der Paste schnappte und diesen, ohne mit der Wimper zu zucken, auf Stirn, Nase und Kinn verrieb! Allein vom Zusehen kamen mir die Tränen. Hmm, für irgendwas muss diese Prozedur ja gut sein. Vielleicht ein natürliches Heilmittel gegen Stirnhöhlenvereiterung? Oder etwa die Alternative zu Botox? Da bin ich wohl dem Geheimnis der ewigen Jugend auf die Spur gekommen! Ihr könnts ja bei Gelegenheit mal selbst ausprobieren.

So, da ich morgen früh raus muss, geht’s ein andermal weiter…
Grüsse aus dem Königreich der Genüsse.
Alex.