Dienstag, Januar 17, 2006

Whoopy Goldberg laesst gruessen!

Liebe Alex

Erstmal alles Gute im Neuen Jahr! Ich sehe und lese mit Interesse, dass ihr gut gerutscht seid. Doppelt gemoppelt haelt besser. Fuer's 2006 wuenschen wir euch noch viele weitere tolle Erlebnisse in Asien.

Das Land der tausend Mangobaeume, Burkina Faso, hat uns in seinen Bann gezogen. Das ehemalige Obervolta mit der exotisch klingenden Haupstadt Ouagadougou, kurz Waga genannt, gehoert zu den drei aermsten Laendern der Welt. Die Burkinabé begegnen Fremden ohne Ressentiments, sind durchwegs tolerant, freundlich und hilfsbereit, was wir am eigenen Leib erfahren durften.


Weihnachten wollten wir urspruenglich in Bobo Dioulasso, der zweitgroessten Stadt des Landes, verbringen. In Afrika muss man jedoch spontan sein und die Chancen die sich bieten packen. So haben wir die Einladung eines Burkinabé, der fuer den franzoesischen Entwicklungsdienst arbeitet, auf welchem wir uebrigens auch uebernachtet haben, die Weihnachtsfeiertage gemeinsam in Waga zu verbringen, angenommen. Auf der Fahrt haben wir unser erstes lebendes Perlhuhn gekauft. Im Wissen, es nicht selbst schlachten zu muessen. Bei der Familie angekommen wurde uns zu ehren Coca Cola eingekauft und der Fernseher eingeschaltet. Man muss ja zeigen, dass man einen besitzt. Familie und Freunde kamen vorbei um "Les Blancs" zu begruessen. Da alle Familienmitglieder Christen sind, ging es am Heiligabend zur Kirche. Die grosse, einfach eingerichtete Kirche ohne Prunk, war zum bersten voll. Als ich mich neben André setzte, habe ich mich zum ersten Mal umgesehen. Uups, um mich herum sind ja nur Maenner. Ich habe mich in den falschen Bereich der Kirche gesetzt... Das ist das tolerante an den Burkinabés. Ich werde lediglich belacht von ihnen und mit den Worten bedacht: Tu es blanches, n' ya pas de problème! Ok, ich bleibe sitzen und wir geniessen die Mitternachtsmesse unter all' den Schwarzen in vollen Zuegen. Hier wird gesungen, geklatscht, getanzt, Theater gespielt, gepredigt und gebetet. Die ueberschwengliche Kirchenstimmung animiert auch uns zum mitmachen und mitklatschen. Wir sind beeindruckt und sind uns einig: Sister Act ist ein Pappenstiel dagegen!

Im schweizer Restaurant, haben wir uns zu Weihnachten gegoennt, lernen wir ein deutsches Ehepaar kennen, das fuer den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) arbeitet. Wir ziehen ebenfalls ins DED-Gaestehaus und verbringen gemuetliche Stunden dort. Katy und Frank, so ihre Namen, fragen uns, ob wir sie zu Sylvester fuer einen Ausflug begleiten moechten. So fahren wir mit dem sympathischen Paar suedwaerts. Zuerst besuchen wir den landschaftlich schoen gelegenen Ort Tiébélé mit kunstvoll bemalten Wohnburgen. Das naechste Highlight sind die heiligen Krokodile, die vielerorts verehrt werden. Mit einer eingaengigen Melodie und Kroeten an der Angel werden die Krokodile von einem Jungen angelockt. Ein irres Schauspiel, wenn die Kaymane nach den Kroeten schnappen und der Junge unbeirrt seine froehliche Melodie vor sich hinsingt.


Den Sylvester verbringen wir im Nazinga Nationalpark. Dort soll es Elefanten, Wilschweine, Gnus, Affen, Krokodile, Antilopen und viele Vogelarten geben. Direkt bei der Lodge ist ein kuenstlicher See, wo die Elefanten taeglich zum trinken kommen sollen. Unsere Ausdauer auf der Aussichtsplattform auszuharren wird mehr als belohnt. Einer um den anderen findet sich am Wasserloch ein. Nach langen Beobachtungen sind wir hungrig und gehen fruehstuecken. Danach nochmals kurz zum See zurueck, um zu sehen ob sie noch da sind. Wir trauen unseren Augen nicht. Die Elefanten baden im See und balgen dabei wie kleine Kinder. Ein herrliches Schauspiel. Die ist jedoch noch nicht alles. Ohne Scheu, was wir von uns nicht gerade behaupten koennen, gehen einige Elefanten ungeniert durchs Camp und bedienen sich an den verschiedenen Baeumen. Frank ist der Mutigste von uns allen und ist nur noch ca. 2 bis 3 Meter von ihnen entfernt. Sie jedoch lassen sich von uns Touris ueberhaupt nicht stoeren. Die Elefanten wie du ja weisst haben mich schon immer fasziniert.

Den Sylvesterabend und -nacht haben wir mit den Familien der Angestellten der Nazinga Ranch verbracht. Und in Burkina haben die Frauen im Schnitt 6 Kinder. Somit kannst du dir bestimmt vorstellen, dass es ein tolles "Kaeferfest" mit Bier und Tanz war.

Aus Burkina noch viele interessante Dinge zu erzaehlen und es fehlt uns schwer, dieses liebgewonnene Land Richtung Niger zu verlassen.

Herzliche burkinabische Gruesse

Claudia