Abschied ist ein scharfes Schwert...

Ohne Scherz, als ich mir einen Titel für diesen Beitrag ausdachte war mein erster Gedanke der ehemalige Hitparadensong von Roger Whittaker... (durftet ihr früher auch fernsehen, wenn die Hitparade ausgestrahlt wurde? Ich kenne noch immer viele dieser Texte auswendig, was Alex schon mal erstaunt...). Ich durfte diesen Titel denn auch auswählen, nachdem ich Alex versprochen hatte, sie damit nicht in Verbindung zu bringen, daher ist dieser Beitrag ein rein Rolfscher (obschon vieles das ich hier schreibe auch für meine Alex gilt... ups).
Hallo Claudia und Andre.
Immer dieselbe Laier, dass die Zeit so schnell vergeht... ich weiss... aber es stimmt wirklich! Wenn ich "dem Spass" einen neuen Namen geben könnte, würde ich "Zeit verbringen mit meinen Schülern" dafür verwenden. So geniesse ich jeden verbleibenden Tag und mir graut vor dem bevorstehenden Abschied. Die Schüler sind mir sowas von ans Herz gewachsen und neben ihnen haben wir auch sehr viele wirkliche Freunde gefunden, von denen man sich nur ungern trennt... Dieser Ort (Mae Sot) ist denn auch ein bisschen "zu hause" geworden. Vor allem liegt das wohl an der Tatsache, dass man Teil von etwas Ganzem ist (wenn auch ein exotischer Teil...) und dieses Ganze würde ich "Gemeinsam helfen und Spass haben" nennen.
- Man geniesst die verbleibende Zeit und verdrängt die Tatsache, sich schon bald verabschieden zu müssen (damit haben wir bereits begonnen und haben ein wunderschönes Abendessen an einem romantischen Ort mit lieben Freunden verbracht)
- Man schiesst sehr viele Fotos (um seine Erinnerungen später auffrischen zu können und mit der Illusion lebend ein bisschen von hier mitnehmen zu können...). Der Fotoapparat ist daher unser ständiger Begleiter und dank dem digitalen Zeitalter haben wir schon über 700 Föteli eingefroren und die müsst ihr Armen euch dann nach eurer Rückkehr alle ansehen... hihi...
- Voller Wehmut, denn alle Tricks helfen nur übergangsweise. Bilder zu diesem Punkt fielen denn der rolfschen Zensur zum Opfer (wer will denn schon einen flennenden Rolf sehen...)
- Voller fester "Drücker" und durch das Verteilen von vielen Küssen (soll nochmal jemand sagen, dass alle Südost-Asiaten berührungsscheu sind...)
- In Gedanken immer wieder der schönen Momente gedenken und noch einmal und noch einmal und noch einmal....
- Mit meinen Schuelern wird der Schulstoff nun wieder und wieder repetiert, damit die im März anfallenden Prüfungen für die Schüler erfolgreich verlaufen.
- Genaustens beobachtend, denn man könnte ja in der Zeit davor irgendein Detail übersehen, überriecht oder überhört haben...
- Man denkt sich, hätte ich doch ein bisschen mehr von dem gemacht, von dem genossen, mit diesen Menschen Zeit verbracht, von dem gegessen (nicht nur Alex liebt die thailändische und burmesische Küche...)
- Man beschäftigt sich mit ganz vielen Dingen um nicht all zu sehr an den Abschied zu denken. Alex arbeitet momentan noch ein bisschen mehr als vorher (zusätzlich fällt der Zügel und das Einrichten des neuen Schulhauses an) während ich mich nun jeden Morgen meiner spassigen Englischklasse widme und nachmittags die Kindergärtner unterhalte. Dann durfte ich noch die Englischprüfungen schreiben und natürlich sollen die letzen Schultage nicht einfach gewöhnliche Schultage sein sondern vielmehr unvergessliche Schultage, was sich auch an der Vorbereitungszeit bemerksam macht. Spät nachmittags widme ich mich dann eine Stunde Mio-Mio (nein, Mio-Mio ist nicht der Kürzel meiner kürzlich gewonnenen Lottogelder, sondern der Name eines 10 jährigen Mädchens, dem ich nach einer grossen Operation am Rachen das korrekte Sprechen beizubringen versuche, was für einen Laien wie mich gar nicht so einfach ist...)
- Man stellt sich vor "was wäre wenn..." mir noch ein paar Monate zur Verfügung stünden... (vielleicht ist aber auch genug mit Lustig denn kaum auszudenken was ich den lieben Schülern noch alles für Unsinn beibringen würde... Schon heute begrüssen mich die Schüler am Morgen nach der offiziellen (burmesischen/englischen) Begrüssungszeremonie mit einem freundlichen "GRÜEZI"...)
- Indem man sich auf das Bevorstehende freut (es geht schon bald auf die Reise.... jupieh!)
... beten hilft nix gegen Abschiedskummer (hab's versucht...)
Abschiedsausflug mit Freunden...
Und wenn ich nun die Augen schliesse und an die drei Dinge denke, die ich gerne von hier mit auf unsere Reise und danach mit nach Hause nehmen möchte dann wären dies:
- ein bisschen dieser Fröhlichkeit...
- ein bisschen Sonne (die mir enorm beim morgentlichen aus dem Bett kriechen hilft)
- ein bisschen der Befriedigung bei meiner Tätigkeit
- Bonus-Antwort: Feinstes burmesisches und thailändisches Essen in rauhen Mengen...)
Alex hat vor Kurzem was Tolles gesagt (nicht dass sie nur selten was tolles sagen würde, aber das war denn wirklich toll...):"Sicher können wir hier Einiges an Hilfe bieten, doch wir selbst profitieren wohl mindestens ebensosehr in dieser Zeit".... wie wahr!...
Eine schöne Zeit wünschen wir euch und ... schonende Abschiede...



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