Dienstag, Mai 23, 2006

Wenn dir die Welt... die dir dauernd Fragen stellt... gerade nicht gefaellt...

...
dann nimm dir ne Stunde, ein paar bleierne Pfunde...
tauch leise ab tief, weil die andere Welt dich rief...
frei von Zeit frei von Raum, Gedanken frei fuer einen Traum...
das waessrige Element erschwebend und Unglaubliches erlebend...

... in etwa so wuerde ich unsere Tauchgaenge am Ende des Regenbogens beschreiben.
War noch vor unserem Aufenthalt in Palau eine Unterwasserbegegnung mit einem Hai eher Teil eines Albtraumes so wurde es in den hiesigen Gewaessern schnell zur Gewohnheit diesen eleganten Jaegern (Graue Riffhaie, Weiss- und
Schwarzspitzenriffhaie) beim Tauchen zu begegnen...

... wir haben sie solange umhergehezt, dass sie nur noch schlafen wollten... sind echt schnell und jaegerisch begabt, aber nicht sehr ausdauernd die Viecher...



... und wenn sie dann so ganz nah zu uns kamen war da ein Mix aus Freude am Fotomotiv und ein leises "dum-dum..dum-dum" im Hinterkopf aus "der weisse Hai"...



Es ging sogar soweit, dass sie uns bei unseren Begegnungen im 29 Grad warmen Wasser sympatisch und hoeflich vorkamen ausser sie nahmen gerade Witterung nach Futter auf... Eher bissiger kamen uns da die Putzerfische (befreiten Alex von den Ueberresten der aufgekratzten Mueckenstichen) oder die kleinen Riff-Fische, fuer die wir wohl Konkurrenz genug waren fuer einen Angriff.

In den Gewaessern von Palau ist die Vielfalt der anzutreffenden Unterwasserlebewesen unuebertrefflich (ausdauernde Menschen haben ueber 1500 verschiedene Sorten gezaehlt...). Fuer uns waren neben den Haibegegnungen denn auch die Naehe zu Mantas und Adlerrochen oder auch das Schwimmen inmitten hunderter von Barracudas oder Riesenaugen-Jackfischen (sie sehen ein bisschen aus wie beleidigte Zombies...) unglaubliche Erlebnisse.

... keiner der Jack's brachte ein Laecheln hin... die Dinger muessen sehr viel Trauriges im Leben erlebt haben...



Nachdem ich die beleidigten Zombies auch mit meiner erfolgreichsten Unterwasser-Aufmunterungs-Show nicht froehlich stimmen konnte, widmeten wir uns auch sehr gerne den schoenen Mandarin-Fischen und dem Schwimmen mit den vielen Schildkroeten, die wir uebrigens viel lieber "super finden" als dass wir sie in der Suppe finden...

Schildkroeten in der pazifischen Ozean-Suppe...






Alles in allem ist diese fremde Unterwasserwelt einfach unglaublich schoen. Da wir beide keine grossen Luftverbraucher unter Wasser sind, haben wir denn auch mal die Grundzeit (die Dauer in tiefer See die Fischlis zu beobachten) ein bisschen ueberstrapaziert und mussten uns "zur Strafe" schrittweise mit Dekostopps an die Oberflaeche schichten... Aber immer sind wir ohne bleibende Schaeden auf dem "Poht angeghomehn" (war ein Witz im Witz...) und sind hier soviel getaucht wie sonst nur innerhalb mehreren Jahren.

Neu fuer uns war der Einsatz des "Reef-Hook". Das funktioniert in etwa so:
Erst kaufst du dir so ein Ding (Stueck Schnur mit einem metalligen Haken) und wickelst ihn dann fachgerecht auf (so dass er sich unter Wasser ganz easy entfalten laesst...). Dann sollte man ihn vorteilhafterweise nicht auf dem Boot liegen lassen sondern in der Tauchweste verstauen... Unter Wasser an einem Ort angelangt, wo die Stroemung so gross ist, dass menschliche Wesen die Position trotz ausgesprochener Sportlichkeit nicht halten koennen und derweilen die Fische mit lockeren Flossenschlaegen in der Stroemung jagen, wo man sich dann eben mit dem Haken am toten Riff einhakt (tote Riffs werden uebrigens nicht begraben, sondern die laesst mam einfach auf dem Grund liegen...) und die falsch gewickelte Schnur sich einfach nicht in voller Laenge zeigen will, man dann eigentlich angehakt das Schauspiel unter
Wasser geniessen sollte (quasi Live-TV "Totale Fisch-Vielfalt"), sich aber stattdessen einhaendig die Leine muehsam entwirren muss waehrend man sich mit der anderen Hand am Riff festklammert (ein bisschen lang geworden der Satz, ich weiss...geht aber noch weiter...). Gerade in diesem Moment (ich bin immer noch bei der Geschichte mit dem Haken...) schwimmt dann eine aeussert seltene Fischspezies ein paar cm ueber deinem Kopf und du erkennst die einmalige Gelegenheit, dies mit deinem Fotoapparat (der steckt in der anderen Westentasche...) festzuhalten. Gelingt dir dank deiner ausserordentlichen Routine dieses Kunststueck in Sekundenschnelle und du bist endlich sorgenfrei angekettet und fotobereit, entschliessen sich deine Tauchkollegen sicherlich zum Loesen der Verhakung und zwecks Aufbruch zum naechsten Tauchziel...
soviel zum stressfreien Tauchen...
Wir hatten aber viele Moeglichkeiten dies zu ueben und so bin selbst ich nun ein professioneller "Haekler" oder Insider nennen mich gar "Captain Hook"!

Aber nicht auf allen Tauchgaengen hat man mit Unwidrigkeiten wie Stroemung, schlechter Sicht oder Haekel-Stress zu kaempfen und manchmal taucht man in Gebieten, wo sich die Fische
allesamt (nach vorheriger Absprache natuerlich...) bestens versteckt halten und sich auch die Korallen farblos zeigen. Dann kommt es schon mal vor, dass man ueber sehr seltsame Dinge nachzudenken beginnt wie z.B; "wie waere das wohl, wenn ich Alex jetzt die beiden Flossen klauen wuerde" oder "welcher Unterwasser-Spass bringt wohl das eklige Salzwasser dazu, Alex' Tauchmaske zu fuellen (z.B. durch die Lachfaeltchen unter der Maske...)"? Ich habe mich denn fuer eine ausserordentlich originelle Idee entschieden und habe mich heimlich von unten an Alex rangetaucht und sie praktisch ruecklings tauchend unter ihr eingeholt um sie mit meiner uebelsten Tauchgrimasse ein bisschen zu erschrecken. Alex hat mich dort aber nicht entdeckt (vielleicht wollte sie mir den Gefallen auch einfach nicht tun, mich zu entdecken...) und ich gab solange nicht auf, bis ich mir (natuerlich ohne Sicht nach vorne) an einem Riff den Kopf ganz schoen aufschlug... Danach hatte ich endgueltig (so ca. 2 Tauchgaenge lang...) genug von solchen Spaesschen .... ist aber auch aergerlich, wenn das Publikum nicht mitspielt...

Also genug von unseren Taucherlebnissen...

Ich wuensche euch fuer den Rest eurer Reise alles Gute und waehrend wir uns nun auf den Heimweg machen, werde ich wohl oefters ein bisschen neidisch an euch denken...
und natuerlich schaue ich auch ab und zu mal in den Blog, denn nun seid ihr an der Reihe mit dem regelmaessigen Fuettern desselben.

... und etwa so verdutzt wie mein Lieblingsfisch, der Napoleon werde ich dreinschauen, wenn denn keine Eintraege von euch zu finden sind...




Machts gut und geniesst die Zeit.
Rolf und Alex
ohne Worte ....